Die Ressourcen sind aufgebraucht

    Es ist wieder soweit. Wie jedes Jahr warnen Umweltorganisationen vor einer übermäßigen Nutzung natürlicher Ressourcen. Der „Welterschöpfungstag“ (Earth Overshoot Day) fällt heuer auf den 13. August. Das ist rein rechnerisch der Tag, ab dem der ökologische Fußabdruck der Menschheit die Biokapazität der Erde übersteigt. „Die Menschheit entnimmt damit mehr Ressourcen aus der Natur, als diese jährlich erneuern kann, und hinterlässt mehr Treibhausgase, als die Erde nachhaltig verkraften kann“, so die Umweltschutzorganisationen WWF, GLOBAL 2000 und Greenpeace. Deutschland, Österreich oder die Schweiz leben schon seit April über ihre Verhältnisse.

    Auch wenn die konkrete Berechnungsmethode umstritten ist – wie immer man rechnet: im Prinzip kommen alle einschlägigen Konzepte, der ökologische Rucksack wie der Fußabdruck, Carbon oder Water Footprint, zum gleichen Ergebnis. Der Ressourcenverbrauch westlicher Gesellschaften liegt bis zu 10-mal über dem, was langfristig ein gutes Leben, aber auch erfolgreiches Wirtschaften ermöglicht.

     

    „Die Rechnung ist einfach. Wir haben heute 1.7 produktive Hektar pro Kopf auf der Welt – die Bevölkerung mag wohl auf 10 Milliarden anwachsen, und die wilden Tiere wollen ja auch noch was. Damit ist das längerfristige pro Kopf Budget wahrscheinlich unter einem Hektar. Der nordeuropäische Durchschnitt liegt mit 5 Hektar beim 5-fachen dessen, und in einigen Ländern bis zum zehnfachen“, sagt Mathis Wackernagel, Präsident des Global Footprint Network und Erfinder des „ökologischen Fußabdrucks“ zu N21.

    „Diese Überbeanspruchung des Planeten zeigt sich schon heute in geplünderten Meeren, vernichteten Urwäldern, kaputten Böden, schwindender Biodiversität und allen voran im Anstieg des CO2 in der Atmosphäre. Dies ist der Beginn eines gefährlichen Teufelskreises, da der Klimawandel selbst wiederum Boden, Wälder, Meere und Artenvielfalt gefährdet“, warnt Barbara Tauscher vom WWF.

    Aber Wackernagel meint auch, dass es anders geht: „Ein gutes Leben ist nicht nur auf großem Fuß möglich, denn es untergräbt die Stabilität, von der ein gutes Leben abhängt.  Zudem braucht das Beste am Leben oft Zeit, aber nicht unbedingt viele Ressourcen  – spielen mit Kindern und Freunden, relaxen, wandern oder radeln, gemütliches mediterranes Kochen. Diese wunderbarste Zeit wird oft zugunsten eines höheren Einkommens und damit Konsumniveaus geopfert. Wir brauchen aber auch eine Politik, die die richtigen Rahmenbedingungen setzt – z.B. die Arbeit steuerlich entlastet und den Ressourcenverbrauch teurer macht.“

    Wolfgang Pekny zieht im N21-Interview einen Vergleich mit den derzeit so heftig diskutierten Staatsschulden. „Wir haben noch nie etwas an die Natur „zurückgezahlt“. Das summiert sich allein in unserem Jahrtausend auf etwa 10 Jahre, die wir an Ökoschuld angesammelt haben”, sagt Pekny, Gründer und Geschäftsführer der Plattform Footprint.

     

    Was bedeutet Overshoot?

    Pekny: Erstmals in der Neuzeit könnte die Generation unserer Kinder schlechtere Zukunftschancen haben als ihre Eltern. Ressourcenknappheit, Klima-, Hunger- und Finanzkrisen sind dabei Symptome des gleichen Phänomens: Der Planet Erde ist für die Wirtschaftsformen und Lebensweisen der „Global Consumer Class“ schlicht zu klein geworden.

     

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